Sonntag, 10. Februar 2013
Wer ich bin?
"Für den, der nicht mitmacht, besteht die Gefahr, dass er sich für besser hält als die andern und seine Kritik der Gesellschaft missbraucht als Ideologie für sein privates Interesse. Während er danach tastet, die eigene Existenz zum hinfälligen Bilde einer richtigen zu machen, sollte er dieser Hinfälligkeit eingedenk bleiben und wissen, wie wenig das Bild das richtige Leben ersetzt. Solchem Eingedenken aber widerstrebt die Schwerkraft des Bürgerlichen in ihm selber. Der Distanzierte bleibt so verstrickt wie der Betriebsame; vor diesem hat er nichts voraus als die Einsicht in seine Verstricktheit und das Glück der winzigen Freiheit, die im Erkennen als solchem liegt. Die eigene Distanz vom Betrieb ist ein Luxus, den einzig der Betrieb abwirft. Darum trägt gerade jede Regung des sich Entziehens Züge des Negierten. Die Kälte, die sie entwickeln muss, ist von der bürgerlichen nicht zu unterscheiden. Auch wo es protestiert, versteckt sich im monadologischen Prinzip das herrschende Allgemeine. […] Die Unterwerfung des Lebens unter den Produktionsprozess zwingt erniedrigend einem jeglichen etwas von der Isolierung und Einsamkeit auf, die wir für die Sache unserer überlegenen Wahl zu halten versucht sind. Es ist ein so altes Bestandsstück der bürgerlichen Ideologie, dass jeder Einzelne in seinem partikularen Interesse sich besser dünkt als alle anderen, wie dass er die anderen als Gemeinschaft aller Kunden für höher schätzt als sich selber. Seitdem die alte Bürgerklasse abgedankt hat, führt beides sein Nachleben im Geist der Intellektuellen, die die letzten Feinde der Bürger sind und die letzten Bürger zugleich. Indem sie überhaupt noch Denken gegenüber der nackten Reproduktion des Daseins sich gestatten, verhalten sie sich als Privilegierte; indem sie es beim Denken belassen, deklarieren sie die Nichtigkeit ihres Privilegs. Die private Existenz, die sich sehnt, der menschenwürdigen ähnlich zu sehen, verrät diese zugleich, indem die Ähnlichkeit der allgemeinen Verwirklichung entzogen wird, die doch mehr als je zuvor der unabhängigen Besinnung bedarf. Es gibt aus der Verstricktheit keinen Ausweg. Das einzige, was sich verantworten lässt, ist, den ideologischen Missbrauch der eigenen Existenz sich zu versagen und im übrigen privat so bescheiden, unscheinbar und unprätentiös sich zu benehmen, wie es längst nicht mehr die gute Erziehung, wohl aber die Scham darüber gebietet, dass einem in der Hölle noch die Luft zum Atmen bleibt."

Theodor W. Adorno



Dies Zitat voranstellend, möchte ich meinen Blog eröffnen. Nachdem ich, auf einer Community Seite, Spaß daran gefunden hatte, Dinge, die ich gelesen, gehört oder anderweitig aufgeschnappt hatte zu kommentieren, werde ich nun einen Eigenen, hier auf der Seite führen.
Haupstächlich beschäfigte ich mich mit Literatur, philosophischen Texten und Politik. Aber auch die "schönen" Künste werden nicht zu kurz kommen.
In den nächsten Tagen werde ich schrittweise, meinen alten Blog hierher übertragen. Ich hoffe auf eien gute Zeit, angeregte Unterhaltungen in den Comments und eine zensurfreie Möglichkeit mich auszudrücken.

-vlgp

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